Nachruf im Subculture Magazin

July 1st, 2005 by Sebastian Dresel

Dieser Nachruf von Thomas Fath ist im Subculture Südwest erschienen:

NACHRUF: Gregor Dietz

Die Nachricht kam plötzlich und der Schock, nicht nur bei seinen alten Mannheimer Freunden und Bekannten, sitzt tief: Am 31. Mai starb der Mannheimer Musiker und DJ Gregor Dietz in Berlin überraschend. Er erlag mit nur 38 Jahren den Folgen eines Hirnschlags.

Vielen der jüngeren Clubgänger ist Gregor nicht bekannt, daher einige Infos, wer Gregor musikalisch betrachtet war und was er für eine Bedeutung besonders für unsere Region hatte.

Gregor Dietz war der Pionier der Techno- und Houseszene in der Rhein-Neckar-Region, aber mit dieser Kurzbeschreibung ist noch lange nicht alles über Gregor „DJ God“ Dietz gesagt. Uns ist es wichtig, ihn und seinen Beitrag zur Entwicklung der regionalen DJ- und Club-Kultur in einem kurzen Rückblick zu würdigen.

Gregor war 1986, als ich über Empfehlung zum ersten Mal als Gast in den damals schon legendären „Hard Rock Club“ in Mannheim ging, Resident DJ. Er war damals schon einer der herausragenden Köpfe der elektronischen New Wave Szene, der sicher nicht nur mir das erste Mal so skurrile Acts wie SPK, Foyer Des Artes, Section 25 oder Karen Finley (quasi die Madonna bevor es die Popikone Madonna gab – noch dazu skandalöser…) näher brachte und meinen musikalischen Geschmack nicht unwesentlich prägte.

Nach seiner exponierten Rolle im Hard Rock Club war er als DJ God schnell in der Region bekannt. Nicht nur als eine der Leitfiguren im Mannheimer „Milk“ Club, der Mannheim als Clubstadt bundesweit bekannt machte und im Groove Magazin ständig Thema war. Auch im Dossenheimer „House“, war er es, der die Szene aus der ganzen Region in den sonst ganz und gar nicht partymäßig angesagten Ort an der Bergstraße holte. 1990 war wahrscheinlich das Jahr, das ihn bei vielen aus der House- und Technoszene durch die illegalen Underground-Partys im Mannheimer „Strebelwerk“ noch bekannter machte. Die Strebelwerk-Parties sind heute noch sagenumwoben.

Neben all diesen DJ-Aktivitäten war er nebenbei auch noch der „coole“ Verkäufer aus dem WOM und später im eigenen Plattenladen „Dubtools“ in Heidelberg, der immer genau wusste, was man eigentlich will, wenn man gerade einmal nur sagen konnte, dass die Platte in den UK der Megahit wäre und ‘…everything starts with an E’ als Vocalline habe. Eben typisch Gregor Dietz.

Der ohnehin auch optisch nicht übersehbare Gregor konnte ebenso musikalisch nicht unbemerkt bleiben. In den 80ern hatte er als Keyboarder mit der Mannheimer Wave-Band „The Valentines“ für facettenreiche Sounds zwischen Pop, Elektronik und Swing gesorgt und eine CD veröffentlicht.

Ende der 90er ging Dietz nach Berlin und gründete dort mit seinem Bruder Florian die Band „Surf“, die sogleich einen Plattenvertrag bei Sony Music erhielt. 2002 erschien ihr Debüt “High Tide & Low Tide”: eine musikalische Reise von Beatles-Pop bis Easy Listening, Brian-Wilson-Pomp bis hin zu aktueller New-Wave-Elektronik. In den letzten Jahren arbeitete er vermehrt mit dem Ex-Karlsruher DJ und Produzent Thomas „Deep T“ Pudell, der nach seinem Umzug nach Berlin mit Gregor viel Zeit im Studio und privat verbrachte und mit ihm einige bemerkenswerte elektronische Produktionen hervorbrachte.

Gregor veröffentlichte in all den Jahren ca. 100 Produktionen in diversen Konstellationen von denen zwei mit einer goldenen Schallplatte honoriert wurden. Ungefähr 50 Remixarbeiten (u.a. für Fanta 4 und Culture Beat) gehören ebenso zu seiner Discographie.

Gregor fehlt vielen in verschiedenen Bereichen und sein Tod reißt eine große Lücke in die Leben seiner unzähligen Freunde und Bekannten. Wir trauern um einen sympathischen, entspannten, stets gut gelaunten und auch auf seinem erfolgreichen Weg immer bodenständigen Menschen. Good-Bye Gregor!

(TF)

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